Ostern stand vor der Tür, mein letzer Auftrag war erledigt. Feiertage nutze ich immer gerne für eigene Stricksachen. Es stand noch die Kapuze meiner Together-Jacke an, und auch meine Vetur-Jacke war noch nicht fertig, aber irgendwie hatte ich auf beides keine Lust. Es war warm, und die Together-Jacke ist riesengroß… die Vetur-Jacke musste erstmal geribbelt werden, weil die Rundpasse so gar nicht nach meiner Vorstellung gelungen ist.

Was also könnte ich stricken? Beim Aufräumen fiel mein Blick auf meinen Wollreste-Korb. Den habe ich immer wieder mal im Blick, und denke dann an Handschuhe oder Armstulpen, evtl. auch Beinstulpen, aber die zündende Idee war nie dabei, doch plötzlich fiel mir die Umhängetasche einer Kundin ein, die in der Karwoche zu mir ins Lager gekommen war. Die Tasche hatte sie selbst aus Resten gestrickt. Sie gefiel mir wirklich gut, außerdem fand ich es super, dass dafür Wollreste verwendet werden können.

Und schon waren die Feiertage stricktechnisch gerettet. Mir schwirrte ein Bild von Island dazu im Kopf herum, etwa so, als würde man die Landschaft von einem Boot aus betrachten. Der Ozean, die Wellen, Strand, Felsen – das war meine grobe Vorstellung.

 

Tag 1 – der Ozean

Nachdem ich meine Reste gesichtet hatte und feststellte, dass so ziemlich alles an Farben vorhanden war, ging es los. Die Größe legte ich im Groben anhand einer vorhandenen Umhängetasche fest. Vielleicht werde ich die Tasche am Ende noch leicht anfilzen, aber die Entscheidung werde ich später treffen. Mit indigo begann ich den Anschlag und strickte ein paar wenige Runden bevor es zu den Wellen überging. Da das Meer ja auch nicht einheitlich ist, wechselte ich hier schon auf einen weiteren blau-Ton und ließ die Wellen in indigo light gegen den Strand laufen.

 

Da ich viel naturschwarz im Restekorb hatte, entschloss ich mich für das Motto: “Schwarzer Strand Islands”. Natürlich liefen auf dem Strand die Islandpferde …
Ein kleiner Saum aus Flechten und Gräsern säumte den Strand, ein paar Tupfen Heidekraut sollten nicht fehlen.

 

Mittlerweile war es schon spät am Abend, bis dahin entstand das Muster während des Strickens ganz spontan. Dann sollte eine schöne Felsformation entstehen, deshalb endete ich hier, um mir noch ein paar Gedanken dazu zu machen.

 

Tag 2 – die Felsenformation

Am Morgen nach dem ersten Kaffee konnte ich mir die Felsen schon deutlich vorstellen. Dies wollte ich aber nicht ohne ordentliche Strickschrift – wie bis zu diesem Punkt der Tasche – arbeiten. Also erstmal alles aufgezeichnet, radiert und ausgebessert, bis ich meine Gedanken zu Papier gebracht hatte.
Nun konnte ich weiter stricken. Zu Beginn des Musters erkennt man ja nicht wirklich etwas, und so flogen die Maschen nur so von einer Nadel auf die andere. Jetzt war ich richtig in meinem Element, und ich merkte zunehmend, wie spannend sich das Muster gestaltete. Kaum zu glauben, aber mein Herzschlag beschleunigte mit jeder Runde, meine Finger nadelten nur so dahin. Selbst der beste Thriller hätte hier keine Chance gehabt. In wirklich sehr kurzer Zeit kam ich am Gebirgskamm an und konnte der Felsenformation den letzten Schliff geben. Der Himmel war nah – im wahrsten Sinne des Wortes – denn hier war ich nun angelangt in meinem Muster.

Total relaxed strickte ich den Himmel, ließ noch ein paar Wölkchen vorbeiziehen, um die Tasche im Motiv zu vervollständigen.

 

Tag 3 – stabiler Rand

Um es zu einer wirklichen Islandtasche werden zu lassen, wollte ich unbedingt die Farben der Islandflagge verwenden. Den Rand strickte ich mit kleinerer Nadelstärke in kraus rechts, damit sich nichts einrollt, falls ich die Tasche doch nicht filze. Die paar Runden waren schnurstracks erledigt, und schon konnte ich alle Maschen abketten. Damit ich am Ende nicht allzu viel vernähen musste, hatte ich den Taschensaum schon ziemlich bald nach dem Beginn im Maschenstich geschlossen und auch die Fäden immer gleich eingewebt. Denn ich kenne mich, am Ende habe ich dazu keine Lust, und dann liegt das Teil ewig und drei Tage in einer Ecke, bis ich es endlich fertig mache…

 

Tag 4 – der Schultergurt

Die Frage des Schultergurtes beschäftigte mich während der gesamten Strickzeit. Ja, ich könnte mir einen Lederriemen kaufen, aber irgendwie wollte ich die gesamte Tasche aus Wolle haben. Daher beschloß ich, es mal mit einem “Flechtgurt” zu versuchen. Gesagt, getan  – natürlich sollte auch der Gurt in den landestypischen Islandfarben – blau, weiß und rot, entstehen.

 

Die Bänder waren bald gehäkelt und an der Tasche befestigt. Nun kam nur noch das Flechten – schon war sie fertig.

 

Meine neue Umhängetasche mit Islandimpressionen.

 

 

Ich bin begeistert von meiner neuen Umhängetasche, war doch ne tolle Idee oder was meint Ihr? Und der Wollreste-Korb ist immer noch gut gefüllt…

Aber bevor ich mir die Reste weiter vornehme, möchte ich unbedingt den passenden Pullover zur Tasche stricken, also müssen sich Together- und Vetur-Jacke noch ein klein wenig in Geduld üben, denn erst kommt der Pullover dran.

>> Was meinst Du zu der Tasche? <<

Hinterlasse mir gerne Deinen Kommentar und wie Dir das Design gefällt. Ich würde mich sehr darüber freuen.

 

Du möchtest aus Deinen Wollresten diese Tasche stricken?  Hier geht es direkt zur Download-Anleitung.

Deine Reste sind nicht so umfangreich?  Hier geht es direkt zum Strickpaket.

Dir gefällt die Tasche, aber Du kannst sie nicht stricken?  Hier kannst Du die fertige Tasche bestellen.

 

 

 

9 Comments

  • Mohrlchen Katzmann

    Liebe Christine,

    Bei Deinen Berichten fiebere ich immer mit und bei mir tauchen auch Vorstellungen auf wie zB ein Seehund schaut aus dem Wasser raus. (Das hat mich bei meinen Islandbesuchen immer fasziniert 😉) ich finde die Tasche gelungen und es gibt bestimmt Einige die sie gerne nach stricken. Vielleicht mache ich so etwas mal als Geschenk. .Wer weiß …Ich selber benutze nie eine Tasche zum umhängen. …Macht mich wahnsinnig. ….Aber so als Rucksack wäre das eher was für mich 🤔 und schon sprudeln wieder die Ideen. ….😂

    • Christine

      Ein Rucksack steht bei mir auch noch auf der Liste, hier überlege ich schon die ganze Zeit hin und her. Was nehme ich als Motiv, wie bewerkstellige ich es mit den Gurten etc. Jetzt stricke ich erstmal den Pulli zur Tasche und dann, wer weiß …

  • Renate

    Liebe Christine, ein super „Täschchen“; gefällt mir ausgesprochen gut und eine tolle Anregung, wenn es mal etwas kleiner werden soll.
    Vielen Dank, dass wir an Deiner Idee und Umsetzung teilhaben können.
    Liebe Grüße

  • Jutta Brandt

    Total schön geworden 💕 Hätte schon Ideen, wem ich sie (außer Socken) zu Weihnachten noch schenken könnte… Danke für die tolle Idee!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.